Riemers CulTour #6: Übers Reisen

Manch eine Lesung oder ein LesungsKonzert haben mich in den vergangenen fünf Jahren auf einige Reisen im deutschsprachigen Raum geführt. Davor reiste ich mehr als 20 Jahre als Wissenschafterin quer durch die Weltgeschichte. Reisen gehört also zu meinem Leben. Ein kluger Kopf meinte, Reise bildet. Ich meine – Reisen öffnet den inneren Horizont. Es macht weit und es macht auch fit, mit Unwägbarkeiten umgehen zu lernen.

Wenn es dann einmal – aufgrund einer schwächelnden Fluglinie – nicht so mit dem direkten Weg klappt, dann kann ein Umweg durchaus auch seinen Reiz haben. Mir bescherte ein solcher Umweg eine reizende Klientin, die zu mir zu einer Beratung im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung kam. Hätte ich unser Kennenlernen geplant – es wäre aussichtslos gewesen. So brachte uns eine Umbuchung zueinander. Ich könnte Bücher mit solchen Geschichten füllen, die ich auf Reisen erlebte. In einem davon kann man auch darüber nachlesen.

Was will ich damit schreiben? Ich will dazu motivieren, Reisen im außen und im innen immer wieder zu machen.

Mit Reisen im außen meine ich den faktischen Ortswechsel. Damit verbindet man ja gemeinhin das Reisen. Der Ortswechsel verhilft zu einem Perspektivwechsel. Manches, das so dramatisch erschien, dass man alles wegwerfen wollte, ist – aus einem anderen räumlichen Blickwinkel – dann weitaus weniger schlimm. Dann können sich neue Ansichten zeigen. Der Ortswechsel zeigt uns oft auch bislang Unbekanntes, sei es Erfreuliches, sei es – für den Moment – weniger Erfreuliches. Kommt man nach einer Reise wieder nach Hause, so ist man, wenn man bewusst genug ist, ein wenig verändert.

Reisen hat viel mit Bewusstsein zu tun, mit Offenheit für den, der neben einem sitzt, für seine Geschichte und sein Reiseziel. Reisen hat auch viel mit Kommunikation zu tun. Wenn man in einem Bus mehrere Stunden nebeneinander sitzt, dann ergibt sich oft ein wunderbares Gespräch. Man steigt ja aus und sieht sich meistens nicht wieder. Dadurch ergibt sich oft eine seltsame Vertrautheit. Auch ein Teil des Reisens. Es ist paradox und doch habe ich das immer wieder erlebt.

Reisen ist also nicht ein unterbrechungsloses Dahineilen und eine Hasten von einem Punkt zum nächsten. Es ist ein Prozess, der zum Mitnehmen einlädt, seien es Eindrücke, seien es Erkenntnisse, seien es neue Beziehungen zu bislang unbekannten Menschen.

Mit dem Reisen ins eigene Innen meine ich eine Reise in die Ruhe und die Stille. Wer dauernd unterwegs ist, nimmt nur Bruchteile dessen, was uns begegnet, wahr. Eine Busfahrt kann dafür eine gute Gelegenheit bieten. Man kann nicht vor sich selbst davonlaufen und ist positiv ortsgebunden. Der Bus fährt mit einem gewissen Rhythmus dahin. Die Landschaft fliegt vorbei. Man könnte schlafend reisen, ins eigene Innen. Schon mal versucht? Ein wenig Tagträumen, ein wenig die Gedanken fließen lassen, ohne sie gleich messerscharf zu bewerten, beobachten, wahrnehmen. Das reicht schon, um eine kleine Reise nach innen auf der Reise im Außen zu machen.

Sie ist entspannend, manches Mal klärend, erhellend, erfrischend. Manches Mal ist diese kleine Reise nach innen einschläfernd. Auch das darf sein. Das Unterbewusstsein ist sowieso im Dauerbetrieb.

Ich mache diese kleinen Reisen auf Reisen immer wieder gerne und habe dabei oft wunderbare Ideen, Erkenntnisse und Geistesblitze. In dieser Entspannung ist Kreativität möglich. Und das ist auch ein Teil des Wesens von Kunst.

Machen Sie doch einmal einen Selbstversuch. Reisen Sie ins eigene Innen, während Sie unterwegs sind – und genießen Sie die Eindrücke dabei.

Bleiben Sie mir gewogen – Ihre Andrea Riemer

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