Riemers CulTour #13: Achtsamkeit Bewusstsein in der Kunst … Leerformel oder echtes Anliegen?

Achtsamkeit, also das bewusste be-achten von Empfindungen, Gedanken, Worten und Taten – was hat das in der Kunst verloren? Ist es schick und zeitgeistig oder ist es eine Notwendigkeit, ja sogar ein integraler Bestandteil von Kunst? SchauspielerInnen als nebenberufliche YogalehrerInnen? SchriftstellerInnen als Auch-BeraterInnen? Sie merken, ich pointiere und provoziere. Doch das sind Sie ja mittlerweile gewohnt von mir.

Als Schriftstellerin weiß ich um die Kraft der Worte. Sprache schafft Bewusstsein. Bilder schaffen Bewusstsein. Klang schafft Bewusstsein. So weit, so gut.

Achtsamkeit und Bewusstsein sind untrennbar miteinander verbunden. Sie sind integraler Bestandteil einer gelungenen Selbstführung, etwas, das vielen abgeht, weil sie primär durch das Höher-Schneller-Weiter im Außen angetrieben werden. Dies geht solange, bis der erste Absturz erfolgt. Meistens braucht es dann noch ein, zwei weitere Abstürze, bis man begreift, worum es eigentlich geht – im Leben, in der Kunst … und so.

Achtsamkeit und Bewusstsein sind also zwei Wege und nicht zwei festgefügte Konzepte, die man rezepthaft anwendet und es sich alles automatisch und bequem zum Besseren wendet. Sie bieten auch keine Gelinggarantie, denn die gibt es schlicht nicht. Beide sind keine Kochrezepte. Beides ist etwas, das man sich erübt. Wir wissen aus der spirituell-philosophischen Praxis ebenso wie aus der Kunst und aus anderen Bereichen, dass es Disziplin und Hingabe braucht, um die zahlreichen Erkenntnisse zu finden, herauszufinden, was für einen stimmig ist und wie man das Gefundene dann konsequent umsetzt. Ich schreibe hier nicht über Meisterschaft. Es reicht fürs Erste schon, zu beginnen. Es löst sich am Weg. Es löst sich im Gehen – solvitur ambulando. Machen Sie sich also nicht allzu viele Gedanken. Fangen Sie schlicht mit dem Kleinen an, doch fangen Sie an.

Wenn ich schreibe, dann tue ich dies zumeist in großer Stille, in einer inneren Versammeltheit. Das bin ich mir wert. Und es ist auch ein Respekt vor dem Schreiben. Dann erst ist es mir möglich, mein Innen wahrzunehmen. Es geht nicht um das Hineinhören. Das ist viel zu kurz gegriffen. Es geht um ein gesamthaftes Wahrnehmen, das alle physischen Sinne ebenso umschließt wie das tiefe Empfinden für das eigene Innen.

Das ist nicht immer ein einfacher oder gar angenehmer Prozess. Das will ich nicht behaupten. Viele SchriftstellerInnen und auch KünstlerInnen aus anderen Bereichen können das bestätigen. Meistens nimmt es die Öffentlichkeit nur dann wahr, wenn über die eine oder andere Schreibblockade berichtet wird. Dann ist der Zugang zum eigenen Innen versperrt – wodurch auch immer – jedoch – er ist schlicht zu. Dann erst merken viele, woher das Schreiben eigentlich kommt. Dann erst merken viele, wie wichtig Achtsamkeit und Bewusstsein sind. Beides ist untrennbar miteinander verbunden.

Da ich mich seit fast 30 Jahren mit Spirituell-Philosophischen Fragen in meinen Arbeiten befasse, liegt es auf der Hand, auch Beratungen für Persönlichkeitsentwicklung anzubieten. Achtsamkeit und Bewusstsein sind daher meine täglichen BegleiterInnen – nicht nur im Beratungsgespräch, sondern im gesamten Lebensalltag. Wenn ich die beiden nicht regelmäßig pflege – und glauben Sie mir – sie verschaffen sich meine ungeteilte Aufmerksamkeit – also, wenn ich sie nicht regelmäßig pflege, dann reißt eine gewisse Oberflächlichkeit, eine Schludrigkeit in meinen Arbeiten und irgendwann eine Frustration ein.

Das Außen ist ja „nur“ eine Reflexionsfläche meines Innen. Das gilt übrigens auch für Sie. Selbst wenn Sie sich dessen noch nicht bewusst sind – es ist so. Dazu können, wenn es Ihr kluger Verstand braucht, eine Reihe an einschlägigen wissenschaftlich fundierten Studien googeln. Oder Sie schlagen bei den Quantenphysikern nach. Herrn Einstein nimmt man ja fast alles ab und er ist auch fast immer zitabel. Das Beobachter-Beobachteten-Paradoxon umschreibt den Innen-Außen-Zusammenhang sehr eindrücklich.

Was ich schreiben will: je turbulenter und je unsicherer die Zeiten im Außen erscheinen mögen, umso wichtiger sind Achtsamkeit und Bewusstsein. Dass wir als Gesellschaft einen großen Umbruch durchlaufen, ist mittlerweile Allgemeingut. Dazu müssen wir nicht auf die sich dahinziehenden Regierungsverhandlungen gucken. Bleiben wir bei uns, in unserem Leben. Da gibt es für jede und jeden genug zu tun, zu beachten und sich bewusst zu machen. Es beginnt im ganz Kleinen und endet im Großen. Sie wissen sicherlich, was ich meine. Die Zeit des langsam endenden Jahres 2017 ist eine sehr gute Zeit dafür.

Wir leben heute mehr denn je in einer paradoxen Gesellschaft – nicht erst seit 2017. Zum einen leben wir in verbundenen Gesellschaften. Die digitalen Medien helfen dabei sehr. Gleichzeitig leben wir in einer ent-persönlichten Gesellschaft. Reale Begegnungen werden zur Rarität. Herz-zu-Herz-Begegnungen sind die Ausnahme. Und wenn, dann kommt gleich wieder die Unsicherheit und die Abhängigkeit von äußeren Reaktionen hinzu. Gleichzeitig haben Menschen ein hohes Bedürfnis an Sicherheit, an Geborgenheit, an Aufgehobensein. Wo sind die Achtsamkeit und das Bewusstsein verblieben, wenn mit einem Knopfdruck vieles möglich ist?

Was kann Kunst beitragen, um Achtsamkeit und Bewusstsein zu fördern? Ich meine viel. Ich meine nicht Schön-Schreiben und Schön-Reden. Ich meine auch nicht die Eso- und die Licht-Liebe-Fraktion. Bei aller Zuneigung zur Philosophie – es darf schon handfest, konkret und umsetzbar sein.

Ich meine, dass ein Text Ruhe vermitteln kann. Ich meine, dass ein Musikstück Geborgenheit und Angekommensein vermitteln kann. Alles für Momente. Doch schätzen wir diese Momente nicht zu gering, denn die Sammlung dieser Momente ergibt unser Leben. Damit sind wir wieder bei Achtsamkeit und Bewusstsein. Lassen Sie sich einfangen von Stimmungen, vom Licht, vom Kinderlachen, von einem scheinbar hier und jetzt klingenden Musikstück, von leisen, unerwarteten Worten, von Gesten. Bleiben Sie stehen und nehmen Sie wahr. Nur für einen Moment. Und Sie werden eine plötzlich aufkommende Ruhe, einen Raum in sich wahrnehmen. Gucken Sie hinein. Lassen Sie sich ein. Seien Sie anwesend – es ist der Raum, aus dem der nächste Schritt entsteht. Nehmen Sie Abstand von den Abwesenheitsfreaks mit Hang zum Dauerunglücklichsein. Es geht heute mehr denn je um Wahrhaftigkeit. Die suchen wir uns nicht aus. Wir werden hereingefordert, wahrhaftig zu sein und zu leben. Wahrhaftigkeit ist engstens mit Achtsamkeit und Bewusstsein verbunden und hat viel mit dem Selbstbild zu tun. Dieses gilt als Hort für Mangelwahrnehmungen. Nichts ist gut genug. Nichts passt so richtig. Nichts, nichts. Und dabei übersehen wir die Fülle, die bereits vorhanden ist. Das Leben schüttet das Füllhorn aus – und wir sind abwesend. Welch ein Widerspruch?

Kunst kann viel Achtsamkeit und Bewusstsein vermitteln – gleich welches Genre man nimmt. Dies mag ein ungewöhnlicher Zugang sein. Doch ich arbeite mit diesem scheinbar ungewöhnlichen Zugang sowohl beim Schreiben, also auch beim Sprechen und Beratungen durchaus erfolgreich damit. So habe ich das Gespann Achtsamkeit und Bewusstsein seit vielen Jahren auf meinen Reisen als ReisebegleiterInnen liebgewonnen. Dies ist eine herzliche Einladung, sich dafür ja durchaus mal näher zu interessieren.

2018 werden Achtsamkeit und Bewusstsein, Mindfulness und Consciouness im Mittelpunkt all meiner Arbeiten stehen. Seien Sie neugierig und bleiben Sie offen. Es gibt viel Anregendes, viel Substanz. Von Leerformel kann also keine Rede sein.

In diesem Sinne … Bleiben Sie mir gewogen. Ihre Andrea Riemer.

www.andrea-riemer.de

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