Riemers CulTour #14: Licht und Schatten … Mystisch und alltäglich zugleich

Licht und Schatten spielen in der Kunst eine maßgebliche Rolle, sei es in der Malerei, sei es in der Musik und der Literatur. Ich befasse mich mit dem Kosmos aus Licht und Schatten seit einigen Jahren immer wieder. Licht ist eines der faszinierendsten, kosmischen und zugleich menschlichen Phänomene und damit Teil unseres Lebensalltags. Es mag paradox klingen – das Ursächliche ist gleichzeitig als Alltägliche. Nur –wirken merken es erst dann, wenn es abwesend ist. …

Licht ermöglicht Leben. Gleichzeitig ist ein Zuviel an Licht ebenso lebensvernichtend wie ein Zuwenig. Das menschliche Sein ist in der Polarität aus Licht und Schatten aufgespannt. Wir agieren also auf einer gesamthaften Bühne aus beidem – auch wenn wir immer wieder Ausblendungen und Bewertungen vornehmen.

Offenbar ist auch, dass beides zur Falle werden kann, zur Licht- und zur Schattenfalle werden, die in einer Illusion endet. Die Hervorhebung des einen (meistens Licht) und die Unterdrückung des anderen (meistens Schatten) trennt und führt aus der Einheit des Seins heraus. Dies ist genau das Gegenteil dessen, was die menschliche Existenz unbewusst anstrebt, die Einheit im gesamten Sein, die Einheit im und die Verbundenheit mit dem Kosmos. Wie oft haben dies etwa bildende KünstlerInnen dargestellt? Ein Gedanke für den nächsten Museumsbesuch.

Licht und Schatten sind auch Synonym für Herz und Verstand, für Weisheit und Wissen. Es geht dabei immer um das bewusste Leben beider Seiten, um in der Einheit anzugelangen. Es ist eine Frage des Gewahrseins, jenseits von beidem, das Leben in seiner Gesamtheit ermöglicht und glücken lässt. Schlag nach bei Aristoteles, Plato und anderen Geistesgrößen. Sie sind ob der universellen Botschaft aktueller denn je.

In einem meiner Textprogramme habe ich mich diesem Widerspruch gestellt und unterschiedliche Aspekte von Licht und Schatten, nun wäre ich fast versucht, zu schreiben, beleuchtet. Vielleicht umschreibt ‚gestellt‘ besser das, was ich machte. Es war eine der aufregendsten Reisen in etwas, das für uns Menschen oft selbstverständlich ist. Bei näherem Hinsehen hingegen zeigt sich, dass nichts selbstverständlich ist und in ein feines Netz an Bedingungen und Bedingtheiten eingewoben ist.

Wie fängt man dieses Thema an? Ich habe mich der Schöpfungsgeschichte, dem Götter-/Göttinnen-Funken gewidmet. Es war einer aufregender Gang in das Nichts, das sich an sich ja nicht um- und beschreiben lässt. Damit war ich natürlich in bester Gesellschaft. Die Frage nach dem Anfang, dem prime mover, wie Newton es/sie/ihn so treffend nennt, die treibt mich seit vielen Jahren um.

Natürlich habe auch ich keine Antwort gefunden, die ich fassen konnte. Das hatte ich nicht erwartet. Ich musste einen Kunstgriff tun – nun, damit bin ich in bester Gesellschaft. Die Schöpfung und die Genesis waren also mein Anfang. Ich musste aus dem Nebel etwas kreieren. Nun – für KünstlerInnen ist dies nichts Ungewöhnliches. Wir sind keine WissenschafterInnen, die objektiv und nachvollziehbar sein müssen. Uns KünstlerInnen gesteht man Wolkiges, Mysteriöses durchaus zu. Und diesen Umstand habe ich mir zunutze gemacht.

Bei LichtGeschwindigkeit, SchattenExistenz, LichtNatur, SchattenRaum, LichtFarbe, SchattenDasein, LichtMusik, SchattenZeit, LichtLiebe und SchattenBild war ich rasch in meinem künstlerischen, intellektuellen und spirituell-philosophischen Element.

Aufregend wurde es für mich in der Symbiose aus Licht und Schatten. Da war ich gefordert. Ich musste verbinden, etwas, das ich grundsätzlich in meinen Arbeiten und auch in meinem Leben sehr gerne mache. Es ist für mich immer irgendwie die hohe Kunst.

Da das Textprogramm von mir ausschließlich bei Lesungskonzerten vorgetragen wird und nicht zur Veröffentlichung gedacht ist, will ich Ihnen ein kleines Weihnachtsgeschenk mit dem Schlusstext machen.

LICHTSCHATTEN&SCHATTENLICHT

DAS EINE KANN OHNE DAS ANDERE NICHT SEIN … IM KOSMOS VEREINT

Schlusspunkt, nein – Schluss, was – Schluss, wovon?

Es kann ja kein Punkt sein, streng genommen …

Und da fängt es schon an, dieses Tändeln, dieses Spiel, dieses Mischen und Ineinanderaufgehen …

Vom Dialog zum Trialog …?

LichtSchatten und SchattenLicht – ein ewiger Zyklus des Seins.

Es gibt wohl keine stabilere Konstante, die sich symbolisch in Licht und Dunkel ausdrückt.

Wo viel Licht ist, ist viel Schatten.

Wird dann erst Leben in seiner Gesamtheit möglich?

Um zu erkennen, was Licht tatsächlich bedeuten kann, müssen wir auch auf den Schatten blicken und sich seiner gewahr werden.

Wie machen wir das?

Wir begegnen dem Schatten in uns über den Umweg über den anderen im Außen.

Je mehr wir ihn ablehnen, umso hartnäckiger zeigt er sich … umso lästiger und unangenehmer wird er … umso drohender empfinden wir ihn – oder sie.

Solange, bis wir uns mit ihm auseinandersetzen und ihn, den Schatten – einfach akzeptieren, einfach seinlassen … dann ist Wandlung möglich … dann ist auch wieder Licht möglich … dann ist auch wieder das Tanzspiel zwischen den beiden möglich.

Die Polarität führt zu Spannung und zu Entwicklung und zur Ausweitung.

Kein Leben ohne Licht UND Schatten.

Unser Leben findet an der Schnittstelle zwischen Licht und Schatten statt,

An dieser interessantesten aller interessanten Stellen.

Es ist wie ein sich dauernd bewegender Kreisel.

Er tänzelt auf seiner Spitze, im goldenen Schnitt.

Auf dieser Spitze geht es um die stimmige Dimensionierung und Balancierung aus Licht und Schatten.

Der Schatten wird zum Ritter, der sich nach dem Licht richtet und es ausgleicht.

Beide arbeiten – oft von unsichtbarer Hand gelenkt, zusammen.

Wissend, eines alleine ist nicht ausreichend, um in die ersehnte Einheit zu gelangen.

LichtSchatten und SchattenLicht ist Liebe in Aktion, in Erweiterung, in Entwicklung.

Es wird ein neues Reich eröffnet, in dem Raum zu Zeit wird.

Voll von Überraschungen …

Voll von anderen Möglichkeiten …

Sie ermöglichen uns, den Verstand mit dem Herzen auszudeuten.

Dann wird verstehen möglich.

Dann wird verzeihen möglich.

Denn: alles zu verstehen heißt auch alles verzeihen zu können.

Denn: LichtSchatten und SchattenLicht ist das Ganze, die Einheit, die Erfüllung unserer Ursehnsucht.

LichtSchatten und SchattenLicht der anderen Art … bedenkenswert … erfühlenswert … herzensverstandeswert … weisheitswissenwert … und der Kosmos lebt … und lebt … und lebt …

Aus: Andrea Riemer (Idee, Konzept, Texte, Umsetzung): Der Magie begegnen … eine Reise in den Kosmos von Licht und Schatten, unveröffentlichtes Textprogramm mit Musik, Uraufführung Wien 30.11.2016. (bitte ggf. genauso zitieren).

Das Programm wird 2018 wieder mehrfach im deutschsprachigen Raum aufgeführt werden.

Haben Sie friedliche Festtage und in diesem Sinne …

Bleiben Sie mir gewogen.

Ihre Andrea Riemer

www.andrea-riemer.de

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