Riemers CulTour #22: Gibt es Erfolgskriterien für KünstlerInnen als Einzelperson: Klarheit im Vorgehen

Ich will heute mit einem Thema fortsetzen, das ganz leicht dahin gesagt ist – mit Klarheit. Klarheit bewahren ohne Klarheit zu haben, ist das Merkmal der aktuellen Zeitqualität. Entschiedenheit zu zeigen, ohne zu wissen, wo es hingeht und gleichzeitig die eigene Wahrhaftigkeit leben – das ist schon eine ordentliche Forderung, vor allem an KünstlerInnen! Ja – ich gebe das gerne zu und nehme mich auch nicht aus.

Doch wie kann man mit diesem Widerspruch umgehen? Ein paar Gedanken dazu.

Wenn die Idee am Anfang steht, dann ist die vorab bewusst bei mir immer mit einer Phase des Suchens, des Probierens, des Experimentierens verbunden. Das kann inspirierend sein, doch ein zu viel davon bringt keinen Erfolg im Sinne von konkreten Ergebnissen, die sich auch abbilden und fassen lassen. So profan das klingt, es ist so. Es geht also wiederum um die sogenannte „richtige Mischung“, um die Balance. Und die ist gar nicht so einfach zu finden. Sie ändert sich auch von Projekt zu Projekt.

Ich bin ein Fan von Disziplin und Hingabe und damit durchaus sowohl als Wissenschaftern war als auch als Buchautorin erfolgreich. So halte ich viel von Ordnung, Klarheit in Gedanken, Worten und im Tun, ohne mich übermäßig einzuengen. Sie sind letztlich kristallisierte Energien und erzeugen unsere so genannte Wirklichkeit, sind wesentliche Instrumente für eine/n erfolgreiche/n BuchautorIn.

Das habe ich auch erfahren. Wenn man mit wolkigen Ideen an KollegInnen herantritt und meint, das findet sich schon irgendwie, lasst uns doch anfangen – dann sind meine Erfahrungen diese, dass nichts wirklich Sinnstiftendes am Ende herauskam – außer Enttäuschung und das Empfinden, Zeit vertan zu haben. Klarheit ist also auch eine Frage der Eigenverantwortung und der Verantwortung gegenüber dem Ganzen.

Was heißt nun „Klarheit“? Schlicht bewusst sein, was man gerade denkt, fühlt, spricht und tut. Es ist so als ob man sich von außen betrachtet – als BeobachterIn. Das mag ein wenig abgehoben klingen, doch die Fragen „Was mache ich da gerade? Warum mache ich das? Wie mache ich das?“ kann man sich nicht oft genug stellen. Machen umschließt denken, fühlen, sprechen und tun für mich. Es sind Fragen, die ich mir immer wieder stelle. Es geht um die Möglichkeit der Selbstkorrektur. Ansonsten läuft man rasch auf Autopilot und in einer negativen Routine. Dann ist die Gefahr, dass sich tolle Ideen im Sand verlaufen bzw. aus dem Ruder laufen, sehr groß. Und dann – siehe oben … zur Enttäuschung und so …

Wenn es jedoch gelingt, bewusst und damit klar zu sein, dann kann man weiter den Raum mit Qualitäten wie Entschiedenheit und Wahrhaftigkeit füllen und dann gelingt das Umschalten vom Denken auf Wahrnehmung relativ leicht. Dazu muss man sich aus den gängigen Mechanismen immer wieder ausklinken und das oft übliche Gedanken- und Wortgeklingel beiseitelassen. Aus dieser inneren Klarheit kann dann auch Klarheit über die eigenen Fähigkeiten, Begabungen, Talente, Möglichkeiten, Wege und Ziele entstehen. Erst die INNERE Klarheit, dann der Rest – so könnte man das verkürzt schreiben. In diesen Schritt Zeit zu investieren, halte ich für unabdingbar. Das erspart Umwege, so interessant sie sein mögen, oft viel Geld, Energie und Herzblut.

Bevor ich in Gespräche für Zusammenarbeiten gehe, und für meine Lesungskonzerte mache ich dies auch 2018 wieder, habe ich sehr klare Vorstellungen, was ich bereit bin, künstlerisch zu geben und was ich vom anderen erwarte. Ich zementiere mich nicht ein, nein, es sind klare Ausgangspunkte, von denen wir uns wegbewegen und es gibt ein klares Ziel. Der Weg dazwischen ist verhandelbar. Das muss man verstehen, wenn man Klarheit verstehen will.

Wenn also das Ziel ein gemeinsames Lesungskonzert ist, dann mache ich mir innerlich klar, was ich will, was ich bereit bin, einzubringen und was ich von meinem Bühnenpartner erwarte. Das kommuniziere ich auch vom ersten Moment sehr deutlich – und das durchaus in einem verbindlichen Ton.

Ähnlich ist es, wenn ich ein neues Buch beginne. Der 2. Band mit Marie (Botschaften vom Leben) ist in Mache. Die ersten Wochen des neuen Jahres haben mich sehr gefordert und ich ließ mich auch sehr gerne fordern, um das, was ich meinem Publikum vermitteln will, so klar wie möglich darzustellen und mich eindeutig zu positionieren. Das ist für mich als Schreibende wesentlich, denn wenn ich nicht weiß, wo ich hin will, wie soll es dann das Publikum wissen. Ja – es gibt auch da Differenzierungen und den einen oder anderen Zusatz. Doch die Grundarchitektur steht. Bevor dies nicht der Fall ist, fange ich nicht an zu schreiben.

Die Klarheit gibt Raum für Entschiedenheit und für ein wundervolles Ergebnis – es kommt nur auf den Versuch an.

Bleiben Sie mir gewogen. Ihre Andrea Riemer.

 

Zu Andrea Riemer: https://www.andrea-riemer.de/

Das neue Buch „Botschaften vom Leben“ – mehr mit Leseprobe und Bestellmöglichkeiten unter https://www.andrea-riemer.de/das-neue-buch-botschaften-vom-leben/ … Gucken Sie auch in die Rezensionen bei Amazon.

SOULFOOD – Die Radiosendung – jede Woche Mittwoch von 21.00 bis 22.00 Uhr und Freitag von 06.00 bis 07.00 Uhr als Wiederholung http://www.radioplanet-berlin.de/

Es gibt eine neue Onlineserie zu diesem und verwandten Themen. Mehr unter https://www.andrea-riemer.de/veranstaltungen-2018-inkl-onlinelesungen/

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