Riemers CulTour #24: Gibt es Erfolgskriterien für KünstlerInnen Team: Vision und Umsetzung

Ich mache mir immer wieder meine Gedanken, wie man im Künstlerischen mit Teams umgeht. Wir sind ja öfters zur Kooperation aufgefordert und vieles davon inspiriert ja auch am eigenen Weg und zur eigenen Weiterentwicklung. Wir sind letztlich alle ewig Lernende. Meine Gedanken in den folgenden 4 Kolumnen sind von vielen Jahren, wo ich mich selbst diversen Führungsaufgaben, sei es im Universitären, sei es auch im Künstlerischen befand, inspiriert.

Es gibt eine Menge an Ähnlichkeiten, die man sehr gut nutzen kann. Dabei habe ich immer wieder Anleihen bei Dirigenten und Regisseuren genommen.

Oft höre ich, dass es eine Vision für ein Projekt braucht. Ja, durchaus. Es braucht die große Idee, die darüber liegende und gleichzeitig alles durchdringende Botschaft, kurz, das wofür man als KünstlerIn mit seinem Werk steht – gleich in welchem künstlerischen Bereich man aktiv ist.

Franz Welser-Möst, den ich schon einmal in einem meiner Beiträge anführte, meinte treffend: „Grenzbereiche aufzudecken und zu nützen, hat nichts mit dem modischen Begriff des „Crossover“ zu tun. Wissenschaft und Kunst gehören zusammen. Künstler sind kein Haufen unnützer Verrückter, die das Leben ein bisschen hübscher machen und der rationalen, „nützlichen“ Welt der Wissenschaft gegenüber stehen. Ein schönes Beispiel, wie die Kunst visionär wissenschaftliche Erkenntnisse vorwegnehmen kann, findet sich in Wagners Parsifal. Wenn Gurnemanz zu Parsifal während der Verwandlungsmusik des ersten Aktes sagt: „Du siehst, mein Sohn, zum Raum wird hier die Zeit.“, dann ist das nichts anderes als eine Vorahnung der erste Jahre später formulierten Einsteinschen Relativitätstheorie.“ Franz Welser–Möst: Kadenzen. Notizen und Gespräche. Aufgezeichnet von Wilhelm Sinkovicz, Styria 2008, S. 16.

Als ich diese Stelle das erste Mal las und Franz Welser-Möst in einem Gespräch auf diesen Gedanken ansprach, entspann sich eine sehr interessante Diskussion, da ich mich seit gut 30 Jahren immer wieder mit Quantenphilosophie auseinandersetze und auch zur klassischen Musik im Allgemeinen und zu Werken von Wagner im Besonderen einen tieferen Zugang habe. Als ich die Oper Parsifal dann mehrfach an der Wiener Staatsoper hörte, ging mir diese Vision immer wieder durchs Herz und durch den Kopf.

Was will ich damit schreiben und vor allem – was es mit dem Zusammenhang zur Kunst auf sich hat? Nun – wenn ich beginne, mich mit einem Thema auseinander zu setzen, dann bin ich hemmungslos, da ich in allen möglichen Bereichen unterwegs bin, um meine Idee zu vervollkommnen. Das ist eben kein unnützer Prozess, sondern das geistige Unterfutter meiner Arbeit. Es ist jener, oft in einem Satz zusammengefasste Gedanke, den ich in Zusammenarbeiten wie ein Mantra und einen gleichzeitigen Referenzpunkt heranziehen. Es dient der Überprüfung, ob ich noch on track bin oder ob ich mich in netten Nebensträßchen verirrt habe.

Also was hat es nun mit dem „zum Raum wird hier die Zeit“ für meine Arbeiten auf sich? Wenn ich beispielsweise an die Entstehung meines aktuellen Buches und die beiden weitere Bände denke, dann beschäftigte ich mich längere Zeit mit der Frage nach dem Werden und Vergehen in allen Facetten. Ich wollte dieses oft zur Seite gedrängte Thema für eine breitere Masse an Menschen verständlich machen. Dabei ging es mir darum, beides auszuleuchten, nicht dramatisch, doch ernsthaft, nicht humoristisch, doch mit einem gewissen Lächeln. Ich wollte den Schrecken nehmen und das Größere zeigen – und das in einer lesbaren Form, die auch zur Umsetzung animiert.

Aha, werden Sie sich nun sagen. Die Vision hat auch etwas mit Umsetzung zu tun. In diesem Moment tritt die/der KünstlerIn oft heraus aus dem eigenen Kokon und ist aufgefordert, die Vision verständlich zu machen. Sie/er wird dabei auf die Lebbarkeit und Umsetzungstauglichkeit überprüft. Es ist der berühmte Moment, wo „der Affe ins Wasser springt – entweder er schwimmt oder er ersäuft“. … die Vision geht dann gleich mit.

Dieser Kipppunkt, wo es vom Visionären, das oft im geschützten Raum geboren wird, hinaus in die kalte Welt geht und die Vision sich selbst aussetzt, dieser Kipppunkt ist für mich oft der spannendste Punkt im Gesamtprozess. Es ist der Lakmustest.

Was für mich oft logisch, schlüssig und klar ist, ist für meine MitstreiterInnen (z.B. Verleger, Agent etc.) mitunter weder das eine noch das andere. Mhhh… was tut man dann? Nachschärfen, besser erklären, Bilder zur Hand nehmen, spielen, jonglieren, überzeugen, probieren, die Vision im übertragenen Sinn anfassen lassen etc. Hier wird man oft zum Dompteur. Da ist die Vision, dort ist die Umsetzung.

Kein/e KünstlerIn kann sich diesem Prozess entziehen, denn wir brauchen alle unsere MitstreiterInnen, seien es VerlegerInnen, VeranstalterInnen, AgentInnen, ManagerInneren, GaleristInnen, Orchester, SchauspielkollegInnen, RegisseurInnen und wie sie alle heißen mögen.

Wenn Sie also mal wieder eine Vision haben, gehen Sie nicht zum Arzt, sondern spielen Sie damit, machen Sie sie so konkret wie möglich und setzen Sie sich gemeinsam mit Ihrer Vision der Diskussion aus. Sie wird, wenn sie durchdacht ist und die Zeit dafür reif ist, sicherlich auf fruchtbaren Boden fallen. … und mit dem Aufwachsen ist so wie im Garten … es braucht Geschick, Geduld, die passenden Hände, Hausverstand, Flexibilität und gleichzeitige Verbindlichkeit und interessierte und engagierte MitstreiterInnen.

Bleiben Sie mir gewogen. Ihre Andrea Riemer.

 

Zu Andrea Riemer: https://www.andrea-riemer.de/

Das neue Buch „Botschaften vom Leben“ – mehr mit Leseprobe und Bestellmöglichkeiten unter https://www.andrea-riemer.de/das-neue-buch-botschaften-vom-leben/ … Gucken Sie auch in die Rezensionen bei Amazon.

SOULFOOD – Die Radiosendung – jede Woche Mittwoch von 21.00 bis 22.00 Uhr und Freitag von 06.00 bis 07.00 Uhr als Wiederholung http://www.radioplanet-berlin.de/ 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s