Riemers CulTour #28: Gedanken zur Kraft des Wortes

Das Wort hat in meinem Leben einen ganz besonderen Stellenwert. Nicht nur weil ich schreibe und es ein Instrument des Ausdrucks für mich ist. Nicht nur weil ich mich damit spiele und viel mehr als mit dem Sprechen ausdrücken kann. Die Bedeutung des Wortes geht für mich viel weiter. Sprache schafft Bewusstsein und in der Umsetzung Bewusstheit.

Mittlerweile beobachte ich mich und auch meine Umwelt sehr genau. Es ist bemerkenswert, was so alles aus dem Mund und auch beim Schreiben aus einem herausgespült wird … Gedanken- und Sprachhygiene sind daher etwas sehr Lohnendes. Auch die laufende Hinterfragung von Verhaltensweisen und Sätzen, die bislang ‚immer‘ so waren, gibt oft Hinweise über die eigene Unbewusstheit. Auch hier herrscht sehr viel Unbewusstheit, was man mit diesen geronnenen Gedanken alles anstellen kann. Sie sind die direkte Brücke zur Tat. Wir wissen das aus der Geschichte, aus der Propaganda, aus der Psychologie, aus dem Spirituellen mit den Affirmationen etc. Man muss etwas nur oft genug sagen und wiederholen – und die berühmte sich selbsterfüllende Prophezeiung tritt ein.

Worte, gleich ob gesprochen oder geschrieben, sind materialisierte Gedanken, oftmals umrahmt mit Gefühlen. Sie bringen als Kombination Dinge in Gang. Sie lösen etwas beim HörerInnen- und LeserInnenpublikum aus. Hintergrund sind sogenannte frames, also geistigen Rahmen. Diese Rahmen entstehen oft über Medien aller Art, über den Austausch in Gruppen, über Fachartikel, über Dahingesagtes – ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Denken Sie beispielsweise an eines der am meisten seit einiger Zeit gebrauchten Begriff der „faked news“. Halten Sie inne. Welches Bild erscheint vor Ihrem inneren Auge? Was empfinden Sie dabei? Genau darum geht es bei der Kraft des Wortes, sei es geschrieben, sei es gesprochen.

Diesen Auslösungen kann sich kaum eine/r entziehen. Darin liegt auch die manipulative Kraft von Sprache. Wenn dies eben sprachlich über einen längeren Zeitraum in der nötigen medialen Breite unterstützt wird – übrigens geht es ausschließlich um die Dominanz des Nachrichtenzyklus, also so oft wie möglich genannt werden, gleich was die Botschaft ist – wenn man dies also unterstützt, dann setzt sich im Kollektiv ein Bild fest, das bei jeder Gelegenheit ausgelöst wird. Es läuft subtil – und dann ist es Teil des Alltäglichen – oft schon bald und nicht mehr irgendwann.

In einer Zeit des Vielen, des Vielfältigen, der Unsicherheiten, des Alles-ist-möglich, des Alles-kann-und-darf-sein, der Auflösungen, der Leere, der Vollbremsungen, der Zerstörungen ist es nicht ganz einfach, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Manche tun es mit der Übertreibung, der Überzeichnung. Beides sind wesentliche Stilmittel der Kommunikation. Ansonsten tut man sich oft schwer, überhaupt Aufmerksamkeit in dieser Dauergeräuschkulisse, in der wir mittlerweile leben, zu erzielen. Dazu kann man jedoch auch Jahrhunderte zurückgehen. Das Plakative, Übertriebene ist ein Politikverhalten (policy), um wahrgenommen zu werden. Daran ist nichts Schlechtes zu finden – so ganz grundsätzlich. Nur – bitte mit Substanz und der ehrlichen Absicht, das dann auch umzusetzen …

Zudem: Das menschliche Gehirn und unser Unterbewusstsein regieren stark auf in Worte gefasste Bilder. Nahezu 80 % in unserer Wahrnehmung (manche meinen sogar mehr) laufen über Bilder. Diese werden durch bildhafte Schilderungen erzeugt. Umso wichtiger ist der bewusste Gebrauch von Worten. Umso wichtiger erscheint mir die Achtsamkeit in der Kommunikation. Ansonsten sieht man sich rasch mit dem Phänomen der „Geister, die ich rief“ konfrontiert. Das kann zwar hin und wieder ganz spaßig sein, doch Einfangen lassen sich diese Wort-Geister nur sehr schwer, von den Konsequenzen, die sie erzeugen, ganz zu schweigen.

Auch wenn in diesen Gedanken viele Fragen sind … sie sind der Beginn der Antwort. Denn – Sprache schafft Bewusstsein … und das ist der erste Schritt zur Bewusstheit und zu Veränderung … und sie ist längst fällig … jenseits von Plattitüden und Worthülsen – jetzt. Hat man seine inneren Fallstricke erkannt, dann lässt sich so einiges bewegen, in einem und dann auch um einen … ein lohnenswertes Experiment …

Bleiben Sie mir gewogen. Ihre Andrea Riemer.

Zu Andrea Riemer: https://www.andrea-riemer.de/

Das neue Buch „Botschaften vom Leben“ – mehr mit Leseprobe und Bestellmöglichkeiten unter https://www.andrea-riemer.de/das-neue-buch-botschaften-vom-leben/
Machen Sie auch einen Blick die mittlerweile umfangreichen Rezensionen zum Buch und lassen Sie sich inspirieren.

SOULFOOD – Die Radiosendung – jede Woche Mittwoch von 21.00 bis 22.00 Uhr und Freitag von 06.00 bis 07.00 Uhr als Wiederholung http://www.radioplanet-berlin.de/ 

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