Riemers CulTour #31: Gedanken zu Zeitplänen

Ich war jahrzehntelang eine Meisterin im Planen und im Beherrschen der Zeit – solange, bis ich erkannte, dass mich die Zeit beherrschte. Ich hatte sie nie – ich konnte sie mir nur nehmen und füllen.

Der Verstand ist dabei ein sehr guter Diener, jedoch ein schlechter Meister. Wo findet sich der Meister? Wohl nicht im vielzitierten Buch, auch nicht im teuren Workshop oder im Wochenendseminar, sondern im Herz, in diesem Bereich, den kein Chirurg ausdeuten kann. Dieser Herzensbereich, der sich nicht in Worte fassen lässt und doch da ist, der vielen von uns so fremd, so unwirklich ist, dieser Herzensbereich zeigt uns Möglichkeiten auf, die wir gehen können, wenn wir wollen. Der Verstand hingegen belässt uns in sogenannten rationalen Zielen – leblos, unfreudig und oft unfriedlich.

Der Herzensweg ist der unangepasste, eigene Weg, fern vom Dröhnen im Außen und doch so nah zum eigenen Innen. Ein Weg, der es wert ist, gegangen zu werden, mutig, offen, neugierig – jeden Tag aufs Neue, immer wieder und wieder, nie enden wollend.

Das hat alles sehr viel mit Planen und mit Zeitplänen zu tun. Es fordert auf, den Blick zu wenden, ihn von den Plänen zu heben und einen Aufbruch ins Neue zu wagen. Was ist „das Neue“? Ein Heraus aus einer Zwischenstation, hinein in ein neues Jahr, einen neuen Monat, Woche, Tag oder gar Stunde? Was ist „Aufbruch“? Ein Umbruch, ein Abbruch und Neuanfang, radikal, sanft, rebellisch und liebevoll zugleich? Wohl von allem etwas. Den inneren Ruck wahrnehmend, neugierig, offen, inspiriert, angespannt … nicht wissend, was kommt und doch darauf vertrauend, dass es das sogenannt „Richtige“ ist. Immer wieder fühlend, was dieses „Richtige“ im Hier und Jetzt ist. Das ist der Aufbruch in Neue – unabhängig vom Lebensalter, von der Jahreszeit, von der Tageszeit. Es ist der Auf-Bruch, der bewusste Bruch mit Altem, nicht mehr Zeitgemäßem. Wohltuend, ruhig machend, ein offenes Herz und einen eben solchen Geist ermöglichend.

Denn – die Zeit, sie ist ein sonderbar Ding, wie Richard Strauss, nach dem Libretto von Hugo von Hofmannsthal, die Marschallin im Rosenkavalier singen lässt. Die Stunden, der Tag, der Monat und das Jahr neigen sich dem Ende zu. Viele sagen mir, es sei das schwierigste Jahr, seit langem gewesen. Die Zeit hätte sie mehrfach überholt und sie hätte kaum Gelegenheit zum Durchatmen gehabt. Und nun stehen sie da, ausgepowert, lustlos, orientierungslos und leer. Ohne Zeit – wozu? Die Zeit als Lebensfaktor und unser Umgang mit ihr hat mehr denn je zu einer Relativität von Zeit geführt. Zeit und ihr Freund, der Raum, haben eine veränderte Qualität erfahren, die wir kaum in Worte fassen können. Schneller geht alles – was? Wie – schneller? Warum – schneller? … Die Zeit, ist sie tatsächlich ein sonderbar Ding, wie Hofmannsthal schrieb? Zeit – ist das etwas, das wir nie haben, das immer rinnt und fließt, das immer da ist und nie als solches sichtbar ist? Ist das die Frage aller Fragen? Es hilft, mehr denn je, in die Macht des Moments zu gehen, in die Zeit zwischen zwei Atemzügen.

Es geht um den berühmten Augen-Blick – und dann in diesen Augen-Blick zu blicken. Einfach – bestechend – klar. Jenseits aller Zeitpläne, und seien sie angeblich noch so gut und so hilfreich – es kommt immer auf die Dosis an.
Bleiben Sie mir gewogen. Ihre Andrea Riemer.

Zu Andrea Riemer: https://www.andrea-riemer.de/

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