Modernes Theater – Nur intellektuelles Bla Bla?

Wenn ich ans Theater denke, kommt mir sofort Shakespeare in den Sinn. Aber auch Schiller und seine Räuber oder Kabale und Liebe. Ach ja… das gute alte Theater. Ich muss gestehen, dass ich alles andere als ein Theater-Profi oder sowas wie eine Kennerin bin, aber mir gibt das Theater zu denken. Als Kind habe ich es geliebt, wenn wir von der Schule aus Theaterbesuche unternommen haben. Jim Knopf, Peterchens Mondfahrt, später dann My fair Lady oder der kleine Horrorladen. Diese wunderschönen Kostüme haben uns in eine andere Welt und ganz alte Zeit entführt und ich habe es geliebt. Vor einer Weile wurde im Hamburger Ohnsorg Theater das großartige Stück „Maria Stuart“ von Schiller aufgeführt. An dieser Stelle muss ich mich als Schiller-Fan outen. Nachdem ich auch noch so viel gute Presse über die Inszenierung gelesen habe, dachte ich mir, warum eigentlich nicht? Es sollte modern werden. Was das angeht, habe ich mich schon immer schwer getan, aber vielleicht musste ich es auch erstmal ausprobieren.

Kann Theater zu übertrieben sein?

Am Abend unseres Theaterbesuchs warfen mein Verlobter und ich uns in Schale und machten uns voller Vorfreude auf den Weg. Nach einem kurzen Drink im Foyer ging es dann auch schon in den Bühnensaal. Wir hatten tolle Plätze. Parkett, 5 Reihe. Ich freute mich so. Der Bühnenvorhang war offen und mein erster Gedanke war nur: „Das ist doch hoffentlich nicht das Bühnenbild“! Es erinnerte mich an ein Schlachthaus. Diese Halogenröhren und weiter… nichts. Dann ging es auch schon los. Maria Stuart lief auf der Bühne hin und her. Ihr Kostüm mochte ich tatsächlich. Es war zwar modern, aber man erkannte sie. Das gleiche galt auch später für Queen Elizabeth. Die männlichen Akteure liefen in Anzügen herum. Alles war so trist und grau und schwarz. Naja, die Geschichte ist auch sehr trist und traurig, aber man hätte diese Szenerie mit einem historischen Bühnenbild einfach lebendiger und authentischer gestalten können. Besonders wahnsinnig hat mich die Rolle des Mortimer gemacht. Ich habe einen Schauspieler noch die so übertrieben spielen sehen. Das Schauspiel basierte auf Schreien, auf den Boden schmeißen, schreien und wieder auf den Boden schmeißen. Mortimer perfektionierte diese Art des Schauspiels. Deshalb erspare ich mir an dieser Stelle eine ausführliche Rezension. Und ich muss gestehen, dass ich mich lange schwer getan habe über mein Empfinden zu diesem Theaterstück zu schreiben. Vielleicht bin ich auch einfach ein Kunstbanause, aber es hat mir schlichtweg nicht gefallen und ich finde, dass solche Stücke auch nicht modernisiert werden sollten. Ähnlich erging es mir mal in der Oper, als ich mir eine moderne Fassung der Madama Butterfly angesehen habe. Stimmlich waren die Opernsänger eine Wucht, aber auch diese Inszenierung war mir zu modern.

Moderne lässt die alte Seele des Theaters verschwinden

Für mich sind viele Stücke einfach Koryphäen, die nicht verändert werden dürfen. Sie dürfen ihre Seele einfach nicht verlieren. Stellt euch mal Romeo und Julia ohne ein historisches Bühnenbild vor oder wenn dem Sommernachtstraum dieser märchenhafte Funken fehlt.

Im Mai hat meine Seele ein wenig Rettung erfahren. Mit meiner Mama besuchte ich das Ballett in Hamburg. Wir sahen uns die Kameliendame nach einer Inszenierung von John Neumeier an. Ich liebte es. Diese tollen Kostüme, das schöne Bühnenbild und die unglaublichen Tänzer berührten mich. Die Tänzer drückten so viel Emotionen nur durch ihren Tanz aus, dass man ganz leicht in diese Zeit und Welt hineintauchen konnte. Ein Traum! Warum geht das nicht immer so? Das war nicht zu vergleichen mit der Maria-Stuart-Enttäuschung.

Ich hoffe sehr, dass ich in Hamburg nochmal die Möglichkeit bekomme ein Theaterstück zu besuchen, dass noch nach alter Schule inszeniert wird. Es fehlt mir.

Aber natürlich ist Theater immer Ansichtssache. All die modernen Inszenierungen gibt es nicht umsonst. Eine Menge Menschen stehen drauf. Oder ist das vielleicht nur intellektuelles Bla Bla? Das bleibt wohl ein streng gehütetes Geheimnis.

Eure Valerie

 

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