Selbsterkenntnis – Gehen wir gemeinsam den ersten Schritt zur Selbsthilfe

Das Leben ist ein Geschenk, das wir uns verdienen müssen. Wir haben nur das eine und jeder von uns ist sicherlich gewillt, das Beste daraus zu machen. Doch manchmal geraten wir in einen Teufelskreis und kommen einfach nicht weiter. Das Wichtigste jedoch ist es, nicht in dieser verfahrenen Situation zu verweilen, denn dort werden wir auf Dauer nicht glücklich.

Instinktiv möchten wir uns weiterentwickeln und am Ende unseres Lebens auf dieses zurück schauen und sagen können „Ich habe alles richtig gemacht und bin glücklich“. Doch dies bedeutet auch, dass wir uns ab und an aus unserer Komfortzone bewegen und neue Risiken eingehen müssen. Der wichtigste Schritt dazu ist erst einmal die Selbsterkenntnis. Viele Menschen, die sich in einer verfahrenen Situation befinden, realisieren dies teilweise nicht oder möchten es sich selbst einfach nicht eingestehen. Ist es doch bequem an dem gewohnten festzuhalten, was die letzten Jahre augenscheinlich gut für uns funktioniert hat. Doch warum soll unser Leben sich nicht entwickeln, wenn wir das als Persönlichkeit bereits tun? Was passiert, wenn beides nicht im Einklang miteinander ist? Wir entwachsen unserem eigenen Leben. Und irgendwann platzen wir aus diesem heraus und stehen vor den Scherben allen dessen, was uns die letzten Jahre doch Halt gegeben hat.

Wie erkenne ich nun, ob ich mich selber in einer solchen Situation befinde? Dazu müssen Sie ihr Leben einmal von Außen betrachten. Nehmen Sie selbst die Position eines Außenstehenden ein, auch wenn das zunächst etwas befremdlich klingt. Betrachten Sie alles aus neutraler Sicht, ohne dabei über Personen oder Situationen zu urteilen.

Berufliche Sackgasse

Beginnen wir doch mit Ihrem beruflichen Leben.

Sie stellen fest, dass Ihre Kollegen immer jünger werden?

Alle Kolleg*innen in Ihrem Alter, stehen auf der beruflichen Leiter, bereits einige Sprossen über Ihnen?

Ihr/e Vorgesetzte/r ist in Ihrem Alter oder jünger als Sie?

Sie werden bei Beförderungen immer wieder übergangen?

Wenn Sie eine dieser Fragen mit Ja beantworten konnten, denken Sie kurz darüber nach, woran das liegen könnte. Lassen Sie es kurz sacken und gehen Sie in sich, bevor Sie weiterlesen.

Aber keine Sorge, dies bedeutet keines Falls, dass Sie Ihren Job nicht gut machen oder nicht qualifiziert genug sind. Dies bedeutet lediglich, dass Sie Ihr Potential nicht voll ausgeschöpft und Chancen nicht voll genutzt haben. Das ist erst einmal auch nicht schlimm. Wichtig ist, dass Sie diese Erkenntnis nun für sich erlangt haben, um es in Zukunft besser machen zu können und vielleicht genau jetzt die Motivation erlangt haben, Ihr Berufsleben voran zu treiben.

Findet meine Beziehung noch auf Augenhöhe statt?

Schauen Sie sich nun Ihre familiäre Situation an.

Wenn Sie nach Hause kommen werden Sie mit alltäglicher Routine empfangen?

Haben Sie Geheimnisse vor Ihrem Partner?

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht einen Seitensprung zu wagen oder ist dies sogar bereits geschehen?

Wenn Sie eine der Fragen oder sogar alle drei mit „Ja“ beantwortet haben, ist Ihre Beziehung bereits nicht mehr in Takt. Hier stellt sich nun die Frage, ob Sie und Ihr Partner daran arbeiten wollen oder ob es für Sie beide nicht sogar das Beste ist, getrennte Wege einzuschlagen. Seien Sie besonders in diesem Thema sehr ehrlich zu sich selbst, denn Ihre Erkenntnis entscheidet nicht nur über Ihr eigenes Glück, sondern auch über das Ihres Partners. Es wäre unverantwortlich, aus Gewohnheit an einer Beziehung zu klammern, die Sie innerlich bereits lange beendet haben. Damit verwehren Sie der Person, die Sie vielleicht ehrlich lieben die Chance darauf das wahre Glück zu finden.

Machen Sie sich zunächst bewusst, warum Sie diese Beziehung führen. Gerne können Sie sich die Gründe auch auf einem Blatt notieren, um es anschaulicher zu gestalten. Sie können hier auch eine Pro- und Contra-Liste erstellen. Notieren Sie, was Ihnen an Ihrer Beziehung Glück gibt und was Sie gern ändern würden. Wichtig ist, egal welche Erkenntnis Sie erlangen, Sie sollten offen mit Ihrem Partner darüber reden.

Haben Sie für sich bereits einige Punkte festgelegt, die Ihre Beziehung für Sie so besonders macht?

Kann Ihr/e Partner/in gut kochen?

Genießen Sie einfach seine/ihre tägliche Anwesenheit?

Bedient Ihr/e Partner/in Ihre sexuellen Vorlieben?

Kann Ihr/e Partner/in Ihnen bei Problemen einfach gut zuhören?

Wenn Ihre Liste dementsprechend aussieht, zählen Sie zur Kategorie Egoist. Vielleicht möchte Ihr/e Partner/in auch mal von Ihnen bekocht werden, auch wenn Sie es eventuell nicht so gut können. Vielleicht möchte Ihr/e Partner/in nicht nur neben Ihnen sitzen oder für Sie den Pastor spielen. Wann haben Sie Ihrem/Ihrer Partner/in das letzte Mal zugehört?

Aber vielleicht sieht Ihre Liste auch wie folgt aus.

Sie freuen sich, wenn Ihr/e Partner/in Ihnen jedes kleine Detail seines Tages erzählt?

Wenn Sie keinen Kontakt haben, denken Sie ausschließlich jede Minute an ihn/sie?

Wenn Ihr/e Partner/in Sie bittet etwas zu erledigen machen Sie dies, auch wenn Sie eigentlich etwas anderes vor hatten?

Wenn die Punkte auf Ihrer Liste sich ausschließlich darum drehen, was Sie für Ihre/n Partner/in tun, sind Sie nicht mehr auf gleicher Augenhöhe. Sie sind Ihre/m Partner/in hörig und diese/r duldet Sie lediglich noch in Ihrer Beziehung. Dabei ignoriert er/sie aber vollständig die Tatsache, dass Sie eine eigenständige Person mit einem eigenen Leben sind. Aus dieser Situation sollten Sie sich schnellst möglich lösen.

Wichtig für eine gute Beziehung ist, dass Sie sich mit Ihrem/Ihrer Partner/in zusammen entwickeln. Sie müssen dabei jedoch beide eigenständige Persönlichkeiten bleiben, die sich mit Ihren Stärken ergänzen und die sich gegenseitig respektieren können. Verliert eine/r der Partner*innen erst einmal den Respekt, ist dieser kaum wieder zu erlangen. Eine Beziehung, welche diesen Stand erreicht hat, kann kaum wieder gekittet werden, denn es bedarf einer massiven Änderung Ihrer Selbst. Doch sind Sie bereit sich für einen anderen Menschen um 180 Grad zu drehen? Die Antwort ist ganz klar: Nein! Sie haben den Respekt und die Liebe dafür verdient, was Sie heute sind! Wenn Sie sich für Ihre/n Partner/in verändern oder verbiegen müssen, bedeutet dies, dass er/sie nicht Sie als Person liebt. Er liebt nur die Person, die Sie in dessen Vorstellung sein könnten.

Es liegt doch nicht an mir!

Das ist eine der Lügen, welche wir uns selbst gegenüber am häufigsten gebrauchen.

Wir haben die Beförderung nicht bekommen, weil uns der Chef nicht leiden kann? Mein/e Partner/in hat die Beziehung beendet, weil er eine/n neuen kennengelernt hat?

Vielleicht kann der/die Chef*in Sie wirklich nicht leiden. Vielleicht kann er/sie aber auch Ihren Kollegen nicht leiden, welchen er/sie anstatt Ihnen befördert hat. Vielleicht hat Ihr/e Partner/in wirklich jemand Neuen kennengelernt. Vielleicht hat er/sie diese/n neuen Partner/in aber auch erst gefunden, weil er/sie sich bei Ihnen nicht mehr wohl gefühlt hat und somit offen für eine Entwicklung war.

Stellen Sie sich einmal ein paar Fragen zu sich selber. Und seien Sie vor allem ehrlich, auch wenn es Ihnen sehr schwer fällt.

Sehen andere Menschen Sie als zuverlässig und verantwortungsbewusst?

Treffen Sie Freunde öfter auf ein Bier oder weil diese einen qualitativen Rat von Ihnen möchten?

Nimmt man Sie in Ihren Qualitäten ernst oder werden Sie eher belächelt, wenn Sie etwas sagen?

Das Problem liegt nicht bei Ihrem Gegenüber. Das Problem liegt bei Ihnen. Wenn Ihre Freunde Sie nicht um Rat fragen bedeutet dies vermutlich, dass man denkt, von Ihnen keinen qualitativen Rat erwarten zu können.

Beschreibt man Sie eher als lustige/n Geselle/Gesellin, bedeutet dies meist, dass man Ihnen ein ernstes Gespräch nicht zutraut.

Doch der Punkt ist nicht der mangelnde Respekt Ihrer Freunde Ihnen gegenüber, sondern die Tatsache, dass Sie den Respekt verloren haben. Die Ursache dafür kann in verschiedenen Punkten liegen. Aber er liegt definitiv bei Ihnen.

Vielleicht haben Sie in der Vergangenheit Entscheidungen getroffen, die Ihrem Alter entsprechend nicht angemessen waren und mit denen Sie sich unglaubwürdig gemacht haben. Vielleicht sind Sie auch nicht einmal selbständig in der Lage Entscheidungen zu treffen, weil Ihr/e Partner/in das Denken vollständig für Sie übernommen hat. Seien Sie ehrlich zu sich und finden Sie die Ursache dafür, dass man Sie so sieht. Und dann nutzen Sie die Erkenntnis um an sich zu arbeiten. Damit Sie die Person werden können, die Sie selber sein möchten.

Wenn Ihnen dieser Artikel ein wenig die Augen öffnen konnte und Sie nun wissen, dass Sie an etwas arbeiten müssen, jedoch das Problem noch nicht erkennen können, sollten Sie mit jemanden darüber reden und sich ein ehrliches Feedback einholen. Wichtig ist es, nicht mit Ihrem/Ihrer besten Freund/in darüber zu reden, der/dem Sie vielleicht mit dem Denken, Sie emotional zu schützen, in den falschen Aspekten bestärkt. Es ist wichtig sich nun das ehrlichste Feedback zu holen, welches Sie bekommen können. Auch wenn dies bedeutet über Ihren Schatten zu springen und mit jemandem darüber zu reden, von dem Sie wissen, dass er/sie Sie auf das schärfste kritisieren wird. Aber nur an Kritik können Sie wachsen und zu dem Menschen werden, der Sie sein wollen. Und vor allem können Sie auch nur als dieser Mensch wirklich Glücklich werden.

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Ein Artikel von Lilly Buz
Bildquelle: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay